Fotos von und mit dem Papst

Kein anderes Kirchen- oder Staatsoberhaupt wird und wurde so oft fotografiert. Von Ulrich Nersinger

Das erste offizielle Pontifikatsfoto entsteht: Pius X. 1903 vor der Kamera. Foto: Archiv

Der Fotografie hat die katholische Kirche, insbesondere in Rom, von Anfang an interessiert und wohlwollend gegenübergestanden. Schon 1842 berichtete der römische Dichter Giuseppe Gioacchino Belli, dass „bei der Feier anlässlich der Berufung des Hochwürdigsten Herrn Tizzani zum Generalprokurator der Lateranensischen Chorherren die Gesellschaft, die am festlichen Bankett teilgenommen hatte, im Kloster von S. Pietro in Vincoli von Herrn Chimenti, Professor für Chemie, in daguerretype photographiert wurde“. Drei Jahre später, im Oktober 1845, besuchte Gregor XVI. (1831–1846) das Collegio de' Nobili in Tivoli. Der Papst, den man zu Unrecht als fortschrittsfeindlich bezeichnete, ließ sich in dem von Jesuitenpatres geführten Institut eingehend über das neue Medium informieren. Er bat sogar darum, dass man ihm die seltsamen Apparaturen vorführe. Den Papst bei diesem Anlass auf eine Fotoplatte zu bannen, wagte man damals aber noch nicht.

Sein Nachfolger, Pius IX. (1846–1878), stand schon recht häufig vor einer Kamera, und nicht nur im Vatikan. Aufnahmen zeigen den Papst in Rom, Ostia, Anzio und Velletri, bei der Einweihung einer Brücke, dem Besuch von Ausgrabungen und einer Eisenbahnfahrt.

Der Fotograf, der den toten Papst missbrauchte

Nur wenige Monate vor seinem Tod wurde Pius IX. ein lateinisches Gedicht über die „Ars photografica” (Die Kunst des Fotografierens) überreicht:

„Vom Sonnenspiegel hingehaucht/ Erscheint ein glänzend Bild, wie schön/ Strahlt es die Stirn, das Augenlicht/ des Mundes Anmut hold zurück!/ O wunderbare Geistesmacht!/ Ein neu Gebilde der Natur,/ Wie's selbst Apollos Meisterhand,/ Es schöner nicht hervorgebracht!“

Verfasser des Gedichtes war der Erzbischof von Perugia, Kardinal Gioacchino Pecci, der am 20. Februar 1878 als Leo XIII. den Stuhl des heiligen Petrus besteigen sollte.

Bis zum heutigen Tag haben sich die Päpste ohne Scheu auf Zelluloid und Speichermedien bannen lassen. Sogar für die Aufbahrung auf dem Totenbett gaben sie seit Pius IX. (1922–1939) im Vorhinein die Erlaubnis. Dass Kameras sie bei Liturgien und Zeremonien begleiteten, hat sie nie gestört. Im Gegenteil, die Darstellung in Bildern empfand man durchaus als eine Form des Apostolates.

Dennoch mussten auch die Päpste negative Erfahrungen mit der Fotografie machen. 1958 hatte der päpstliche Leibarzt mit einer versteckten Kamera den sterbenden Pontifex aufgenommen und die Bilder meistbietend an die Sensationspresse verhökert. Im Pontifikat Johannes Pauls II. (1978–2005) versuchten Paparazzi den Papst in seinem Schwimmbad in Castel Gandolfo abzulichten.

Die Fotogeschichte der Päpste ist heute für jedermann einsehbar. Das Fotoarchiv des „Osservatore Romano“, der Zeitung des Vatikans, präsentiert sich zu einem Großteil online (www.photo.va); es bietet auch Einblick in den Fundus des ehemaligen päpstlichen Hoffotografen Giordani. Ebenso hat der frühere Hoffotograf Felici seine Bilder ins Internet gestellt (www.fotografiafelici.com); sein Archiv umfasst Aufnahmen ab dem Jahr 1863. Beim „Servizio Fotografico dell'Osservatore Romano“ in der Vatikanstadt und der „Fotografia Felici“, die ihr Geschäft in der Via Cola di Rienzo 297 bei der Piazza del Risorgimento hat, sind auch die Fotos erhältlich, die bei Generalaudienzen, Papstmessen und besonderen Zeremonien mit offizieller Genehmigung gemacht werden.

Heute müssen es die privilegierten Berufsfotografen immer mehr mit Besuchern aufnehmen, die ihre eigenen Digitalkameras und sämtliche Arten von Geräten mit Aufnahmefunktion mit sich führen. Selbst Priester und Bischöfe scheuen sich nicht, bei Sonderaudienzen im Apostolischen Palast und bei Gottesdiensten in Sankt Peter Smartphones und iPods zu zücken, um den Heiligen Vater bei seinen feierlichen Handlungen abzulichten.

Pius IX., fotografiert auf der Bahnstation Velletri bei einer Zugfahrt im Jahr 1863. Foto: Archiv

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