Mit Volldampf nach Castel Gandolfo

Ob herkömmlich zu Fuß, im modernen Panoramabus oder mit dem Zug, die Vatikanischen Museen haben für jeden das passende Angebot. Von Natalie Nordio

Samstags mit dem Zug zur Sommerresidenz des Papstes: Los geht's vom Bahnhof der Citta del Vaticano. Foto: dpa

Für die meisten gehört ein Besuch der Vatikanischen Museen zu einem gelungenen Romaufenthalt. Dass es sich wirklich lohnt, den Online-Bestellservice der Museen zu nutzen, um hier schnell und bequem an die Eintrittskarten zu kommen, ist schon lange kein Geheimnis mehr, erspart man sich doch die oft stundenlange Warterei entlang der Vatikanischen Mauern. Doch haben die Museen, davon abgesehen, im letzten Jahr ihr Angebot um einige interessante Routen erweitert.

Seit September letzten Jahres können Besucher von den Museen mit dem Zug nach Castel Gandolfo fahren. Diese Tour dauert den ganzen Tag und wird ausschließlich samstags angeboten. Start ist morgens um acht Uhr am Eingang der Museen. Natürlich erfolgt der Eintritt auch hier ohne lästige Warteschlange. Nach dem Besuch der Museen sowie der Sixtinischen Kapelle – jeder Teilnehmer erhält für die gesamte Tour einen Audioguide, der die nötigsten Informationen liefert, im Augenblick leider aber nur auf italienisch, englisch und spanisch – geht es gegen zehn Uhr in die Vatikanischen Gärten. Nach etwa einer Stunde startet um 10.57 Uhr der Sonderzug vom Bahnhof der Citta del Vaticano. Das prachtvolle Empfangsgebäude in neoklassizistischem Stil entstand um 1933 auf Wunsch Papst Pius' XI. Der Bahnhof liegt direkt am einzigen Bahngleis. Nicht einmal einen Kilometer ist die Bahnschiene lang, die aus dem Vatikan hinausführt, um sich sodann mit dem italienischen Schienennetz zu verbinden. Nach etwa dreißig Kilometern endet die Fahrt in dem Städtchen Albano Laziale. Mit dem Bus legt man die verbleibende Strecke hinauf nach Castel Gandolfo zurück. Papst Franziskus hat bestimmt, die weitläufigen Gärten sowie Teile des Apostolischen Palastes, der eigentlichen Sommerresidenz der Päpste, für Besucher zu öffnen. Einige Teile des Papstpalasts wurden museal aufbereitet und zeigen unter anderem liturgische Gewänder und Papst-Gemälde der letzten fünfhundert Jahre. Unzugänglich sind natürlich nach wie vor die päpstlichen Privaträume, in denen auch in diesem Sommer wieder der emeritierte Benedikt XVI. des angenehmeren Klimas wegen einige Wochen verbringt.

Um viertel vor fünf geht es über Albano Laziale wieder zurück nach Rom. Die Fahrt endet jedoch nicht am vatikanischen Bahnhof, sondern rund einen Kilometer von Sankt Peter und dem Vatikan entfernt an der „Stazione Roma San Pietro“. Erwachsene zahlen für diesen Tagesausflug vierzig Euro. Kinder zwischen sechs und 18 Jahren und Studenten unter 25 kosten 36 Euro. Für Familien lohnt sich das Family-Ticket, denn es bezahlt nur das erste Kind, alle weiteren erhalten freien Eintritt.

Ziemlich neu im Museumsangebot ist auch die Besichtigung der Vatikanischen Gärten im Panorama-Cabriobus. Hierfür zahlen Erwachsene 36 Euro, das ermäßigte Ticket gib es für 23 Euro. Und auch für diejenigen, die vor allem die Sixtinische Kapelle einmal recht leer erleben möchten, haben die Vatikanischen Museen etwas Passendes: Frühstück in den Museen. Doch hier gilt, der frühe Vogel fängt den Wurm, denn bereits um sieben Uhr ist Einlass. Doch das frühe Aufstehen lohnt sich, denn man hat fast zwei Stunden Zeit – die Museen öffnen erst gegen kurz vor neun –, um in aller Ruhe die Museen fast leer zu genießen. Aber wie immer hat Exklusivität auch hier ihren Preis. 65 Euro sind für Erwachsene, 57 Euro für Kinder und Studenten fällig.

Doch im Vergleich zu dem Betrag, den man für eine Sonderbesichtigung der „Cappella Niccolina“, mit wundervollen Fresken des Fra Angelico, und der „Scala del Bramante“, der schneckenförmigen Wendeltreppe von Bramante, berappen muss – dreihundert Euro sind für eine Gruppe von zwanzig Personen allein für die Kapelle fällig, fünfhundert für Kapelle und Treppe – erscheinen die 65 Euro fast human, denn schließlich genießt man ja das Privileg einer fast menschenleeren Sixtina.

Alle Eintrittskarten für diese Spezial-Angebote müssen online über die offizielle Homepage der Museen bestellt werden. Gerade im Hinblick auf den nur einmal wöchentlich stattfindenden Besuch von Castel Gandolfo mit dem Zug ist zudem Eile geboten, denn die Tickets sind heiß begehrt und schnell vergriffen.

Rückblick