„Bitte helfen Sie mir“

Es bedarf keiner großen Worte, um wieder einmal einen Neuanfang in der Beichte zu wagen. Von Bischof Konrad Zdarsa

Bischof Konrad Zdarsa. Foto: KNA

Schon wenn wir zur Beichte aufbrechen, lassen wir uns vom Geiste Jesu, dem Geiste Gottes, des barmherzigen Vaters leiten. Das ist für sich allein schon ein Glaubenszeugnis besonderer Art und beinhaltet den Willen zur Umkehr und zum neuen Anfang.

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass vieles besser laufen würde, wenn der eine oder andere von uns immer wieder einmal den Mut aufbrächte, vor anderen von sich zu sagen: „Das lag an mir. Da habe ich etwas falsch gemacht.“ Schon die Einsicht und das Bekenntnis eines Versagens können neue Wege öffnen.

Im Bußsakrament geht es ja nicht darum, sich selber schlecht zu machen. Unser Sündenbekenntnis soll vielmehr ein Erweis lebendigen Vertrauens als eine bloße Selbstanklage sein.

Fragen wir nicht schon manchmal, wenn wir ganz unerwartet etwas geschenkt bekommen, zurück: Wie kann ich das denn wieder gutmachen? Wie kann ich mich denn da revanchieren?

Jeder von uns hat seine charakterlichen Schwächen und Besonderheiten. Es entspricht aber nun einmal der Strategie des Bösen, uns vorrangig dort anzugreifen und zu versuchen, wo wir am leichtesten herumzukriegen sind. Auch dabei greift die Dynamik vom steten Tropfen. Niemand von uns wird doch von heute auf morgen gut oder böse, besser oder schlechter werden können wir aber doch. Von Tag zu Tag mag das kaum spürbar zu bemessen sein, aber nach einem langen Zeitraum, vielleicht sogar von Jahren könnte das Ergebnis geradezu verheerend und nur sehr schwer zu korrigieren sein.

Mit einem regelmäßigen Empfang des Sakramentes der Buße, der ja auch im Rahmen eines Beichtgespräches erfolgen kann, werden wir immer aufmerksamer auf unsere Schwächen und hellhöriger für die Stimme des Gewissens. Darüber hinaus können wir uns noch vom Beichtvater helfen und beraten lassen.

Über die Rede von einem reinen Herzen sollten wir uns nicht leichtfertig überheben. Ich erinnere mich an eine Frau aus der Gemeinde, die mich um den unscheinbaren Ritus der Händewaschung nach der Gabenbereitung in der heiligen Messe regelrecht beneidete, wenn dabei gebetet wird: „Herr, wasche ab meine Schuld und von meinen Sünden mache mich rein.“

Das persönliche Bekenntnis und die darauffolgende Lossprechung sind nun wahrlich Handlungen, die uns ihre befreiende Wirkung sinnenfällig erfahren lassen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn wir immer wieder einmal von Personen hören, die der Meinung sind, sich in der Öffentlichkeit selbst entschuldigen zu können. Das mag noch so gut gemeint sein, aber in Wirklichkeit kann sich niemand von uns selbst entschuldigen. Das mögen wir dem Freiherrn von Münchhausen abnehmen, der sich am eigenen Schopf samt seinem Pferd aus dem Sumpf gezogen haben will. Niemand kann sich selbst entschuldigen, auch wenn die deutsche Sprache das zunächst nahezulegen scheint. Um Entschuldigung können wir immer nur bitten. Niemand kann sich das befreiende Wort selber sagen. Vergebung kann uns nur geschenkt werden.

Gott selbst verzeiht uns im Bußsakrament unsere Schuld, wenn wir ihn reumütig und bereit zur Umkehr darum bitten.

Darum lastet auch auf dem Priester, der dafür seine Person zur Verfügung stellt und dazu beauftragt ist, die schwere Verpflichtung, das Beichtgeheimnis absolut zu wahren. Auf keinerlei Weise und unter keinen Umständen darf durch ihn auch nur der unscheinbarste Inhalt eines Sündenbekenntnisses ruchbar werden.

Erst vor nicht allzu vielen Wochen, am dritten Sonntag im Advent, haben wir zu Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit an unserem Dom die Pforte der Barmherzigkeit geöffnet.

Ob wenigstens die, die zur Kirche gehören, dieses Angebot der Nähe des Herrn in der heiligen Messe und in den Sakramenten, vor allem auch im Sakrament der Buße verstärkt wahrnehmen werden?

Ob sie die Chance ergreifen, im Sakrament der Buße das befreiende, heilende Wort zu hören, das sich niemand von uns selber sagen kann?

Dabei ist es nicht schwer, das Sakrament der Buße zu empfangen. Ganz bewusst spreche ich vom Bußsakrament statt von der Beichte, bei der es von der Wortbedeutung her ja vor allem um das Sündenbekenntnis geht. Das Bußsakrament ist aber ein Zeichen der Liebe Gottes und bedeutet noch viel mehr als nur die Tilgung unserer Schuld. Im Sakrament empfangen wir darüber hinaus Zuspruch und Ermutigung und die Kraft und den Beistand des lebendigen Gottes zu einem neuen Anfang. Es bedarf auch keiner großen Worte, und das Bekenntnis könnte ganz am Anfang auch so lauten: „Meine letzte Beichte war zur Firmung … Ich kann die ganze Zeit gar nicht mehr überblicken. Aber ich möchte einen neuen Anfang machen, möchte von Gott Vergebung empfangen und mehr nach seinen Geboten leben. Bitte helfen Sie mir …“

Das Bußsakrament ist einer der ungezählten Schätze, die die Kirche für uns unentwegt bereithält. Wir müssen es allerdings empfangen wollen. Im Unterschied zu dem zuvor verlorenen Sohn wird uns an-geboten, uns dazu in Freiheit und Liebe zu entschließen, anstatt uns dazu erst von der Not bewegen zu lassen. Aber wann sind wir das eigentlich nicht – in Not … –, so dass wir des göttlichen Erbarmens etwa nicht bedürfen?

Der Text ist ein Auszug aus dem diesjährigen Hirtenwort des Augsburger Oberhirten zur österlichen Bußzeit. In voller Länge ist er abrufbar unter www.bistum-augsburg.de

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