Jenseits des Lebkuchens

Weihnachten fordert von jedem von uns eine Entscheidung. Der Immanenzwille Gottes verlangt nach einer Antwort des Menschen.

Weihnachten
Ein Motiv, vielfältige Ausdrucksweisen: Weihnachten ist in allen Kulturen zuhause. Foto: GF

Die Jungfrau empfängt ein Kind, Gott wird Mensch – Gegensätzliches, oder zumindest: sehr Unterschiedliches wird eins. Das Denken in zweiwertiger Logik mit ihrem gnadenlosen tertium non datur wird zugunsten eines Denkens in neuen Modalitäten überwunden, deren Grundsatz lautet: Für Gott ist nichts unmöglich.

In der Weihnachtsbotschaft steckt jedoch mehr als der Zauber einer Poesie der Potentialität. Es steckt in ihr der Same einer neuen Wirklichkeit. Denn diese Botschaft wird uns übermittelt von einem Gott, der uns mehr schenken will als zweieinhalb Tage Wohlgefühl. Er will einen Neuanfang. Durch das Kind, mit Seinem Geist. Dazu braucht Er den Menschen. Daher steckt ein Aufruf in der Botschaft, ein Aufruf zur Entschiedenheit.

Zum einen der Aufruf zum Handeln als Christen. Dann kann inmitten der Welt des Reich Gottes beginnen und Gegenpole können aufeinander zulaufen. Das kann der große Friedensschluss sein, der Völker zusammenführt, dass kann aber auch die Aussprache in der Familie meinen, ein Anruf, eine E-Mail.
Zum anderen die Entschiedenheit. Der Glaube des Christen verlangt eine Entschiedenheit, die sich unangenehm zwischen Gans und Glühwein drängt, die sich aber gleichsam bereits zu Weihnachten ankündigt: Die Heilige Familie steht von Beginn an unter Verfolgungsdruck und muss nach Ägypten fliehen. Der neue König ist dem alten ein Dorn im Auge. Dass die neue Botschaft vom Frieden ebenso auf Widerstand stößt, lässt sich auch bereits am Anfang erahnen. Neben Gold und Weihrauch gibt es von den Weisen, deren seherische Fähigkeiten einmal mehr präzise ins Schwarze treffen, Myrrhe zur Heilbehandlung von Wunden.

Im Johannes-Evangelium erfahren wir, dass der menschgewordene Gott beim Menschen nicht ankommt, sein Immanenzwille keinen unmittelbaren Widerhall erzeugt: „Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1, 10-11) Auch wenn Gott aus sich herausgeht, um uns in sich hinein zu ziehen, braucht er den Menschen guten Willens, der an diesem Projekt der Einheit mitwirkt.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Ihr und Euer

Josef Bordat