Tu quoque?

Perlentaucher. Das ist ein gefährlicher Beruf. Oder Astronaut. Richter in Palermo. Berufsschullehrer in Berlin. Polizist. In Deutschland. Ein ganz besonders gefährlicher Beruf ist der des Staatspräsidenten von Peru.

Pedro Pablo Kuczynski
Soll Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert haben: Staatspräsident Pedro Pablo Kuczynski. Foto: Prensa Presidencia/Agentur Andina/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Prensa Presidencia (Agentur Andina)

Es gibt Berufe, die sind richtig gefährlich. Perlentaucher zum Beispiel. Oder Astronaut. Richter in Palermo. Berufsschullehrer in Berlin. Polizist. In Deutschland. Da ist man heilfroh, dass der Kindheitstraum doch nicht wahr wurde. Und seine Frau kann man ja immer noch fragen: „Wo warst Du gestern zwischen 19 und 21 Uhr?“ – „Ich… war spazieren.“ – „Hat Dich jemand gesehen?“

Ein ganz besonders gefährlicher Beruf ist der des Staatspräsidenten von Peru. Aber natürlich nicht, so lange man Staatspräsident von Peru ist. Immer erst hinterher. Komischerweise. Denn kaum ist man in Peru Regierungschef gewesen, kann man seines Pensionistenlebens nicht mehr sicher sein. Bis in die letzten Winkel der westlichen Welt werden sie verfolgt, die armen peruanischen Ex-Präsidenten.

Beispiel: Alan García. Der war von 1985 bis 1990 Präsident und hat einfach mal ein bisschen das getan, was uns seit Blüm immer eingetrichtert wurde: Altersvorsorge. 1991 wurde er unter dem Vorwurf der „unrechtmäßigen Bereicherung“ vor Gericht gestellt. Anderes Beispiel: Alberto Fujimori, Garcias Nachfolger, der bis zum Jahr 2000 im Amt war. Der sorgt daheim für Ordnung und was ist der Dank zur Entlassung? „Verstoß gegen die Menschenrechte“ – verurteilt zu insgesamt 38 Jahren Haft.

Auch dessen Nachfolger droht Ungemach: Alejandro Toledo, bis 2006 Präsident der Andenrepublik. Der wird derzeit von Interpol gesucht. Soll mit einem brasilianischen Baukonzern… wie soll ich jetzt sagen? Zusammengewirkt. Ja, vielleicht so: „zusammengewirkt haben“ und nun drohen dem zwischen Frankreich und den USA hin- und herjettenden Politiker im Ruhestand 28 Jahre Gefängnis.

Ebenfalls traf es den letzten Präsidenten Perus, Ollanta Humala. Er hat sich zusammen mit seiner Frau in Untersuchungshaft begeben. Zuvor hatte ein Gericht die Verhaftung des Paares im Zuge von Korruptionsvorwürfen angeordnet. Wieder geht es um den ominösen Konzern aus Brasilien – Odebrecht, der Baumeister.

Und nun stolpert möglicherweise auch der amtierende Staatspräsident Pedro Pablo Kuczynski über seine Beziehungen zu jenem brasilianischen Baumagnaten Odebrecht. Die bislang über alle Zweifel erhabene Integrität in Person soll Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert haben (wir berichteten gestern). Wie die anderen auch. Doch das wäre trotzdem endlich mal was Neues im Westen: Ein Präsident, der nicht erst nach seiner Amtszeit scheitert, sondern mittendrin. Noch bevor der Papst kommt.

Josef Bordat