Evangelisation mit T-Shirt

Kleidungsstücke bedecken nicht nur den Körper – sie lassen sich auch für religiöse Botschaften nutzen. Von Barbara Wenz

Cool und christlich: Modisch adrett sein mit der Jungfrau Maria. Foto: Mr. Gugu

Für viele Zeitgenossen ist es das liebste Kleidungsstück – leger, bequem und praktisch. Das T-Shirt, ob mit Halbarm, Ärmeln bis zum Handgelenk, mit V- oder Rundkragen, gilt als unempfindlich, leicht zu waschen und gehört mittlerweile zu den modischen Basics in Kleiderschränken von Frauen wie Männern. Zusammen mit den Bluejeans gilt das T-Shirt im Prinzip als d a s Unisex-Bekleidungsstück schlechthin. Seine Erfolgsgeschichte fing dabei ganz jungfräulich an – nämlich in schlichtem Weiß. So trugen es die Idole der Jugendbewegung in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts, Marlon Brando und James Dean, beide Ikonen jungmännerhaften Rebellentums wider das juste milieu, wider das Establishment und vor allem wider die Generation der eigenen Eltern.

Wo ein schöner Körper in aufrührerischer Pose und ein interessantes Männergesicht noch ausreichten, um das schlichte weiße Baumwolltrikot voll zur Geltung zu bringen – oder umgekehrt? – da dauerte es auch nicht lange, bis vor allem die Marktwirtschaft des Westens das Potenzial des T-Shirts für sich entdeckte. Niedrige und durch die Globalisierung immer weiter sinkende Produktionskosten machten das T-Shirt mit seiner relativ großen Stofffläche zu einem preiswerten Marketingwerkzeug, insbesondere für politische Aussagen, insbesondere für linken Populismus. Und wie es manchmal so geht: Ausgerechnet das rot unterlegte stilisierte Konterfei des Che Guevara, nach einem fotografischen Schnappschuss von Alberto Korda aus dem Jahre 1960 wurde seither millionenfach reproduziert und verkauft, ohne dass Korda dazu auch nur einen Cent Honorar gesehen hätte. Als mehr oder weniger fromme Antwort auf den kubanischen Kommunisten tauchten bald die ersten Jesus-T-Shirts auf. Das womöglich weltweit bekannteste unter ihnen trug Leadsänger Axl Rose bei den Auftritten seiner Band „Guns N'Roses“ und zeigt grafisch stilisiert das Leidenshaupt Jesu mit der Dornenkrone, untertitelt mit der Aufforderung „Kill your idols!“ – „Töte deine Vorbilder!“. Es sollte eine Provokation darstellen, doch eingedenk des Platon zugeschriebenen Ausspruchs „Wenn der Gerechte auf die Erde kommt, wird man ihn in Ketten legen, foltern und töten“ und dem, wie man mit Jesus verfuhr, könnte man diesen Spruch auch ironisch gebrochen auffassen. Will man als T-Shirt tragender Katholik aber auf der „sicheren“ Evangelisierungsseite sein, greift man von vorneherein zu einem der vielen christlichen Anbieter, zum Beispiel im Internet, oder man bestellt – das ist seit kurzem möglich – direkt beim Vatikan ein Papst-Franziskus-Superman-Shirt nach dem berühmt gewordenen römischen Straßengrafitto von Mauro Pallotta. Für Nostalgiker bietet sich ergänzend dazu das – nicht im Vatikan erhältliche – „Wir waren Papst“-Shirt an. Generell scheint das Geschäft mit christlichen T-Shirts eher im englischsprachigen Bereich zu blühen. Gerade aus den USA stammt ja zum Beispiel auch der Trend, seine Weltanschauung und Religion mittels Aufkleber auf der Stoßstange des Autos zu bekennen – naturgemäß gibt es da auch weniger Scheu, entsprechende Kleidungsstücke zu tragen. Vieles vermischt sich dabei auch mit der dort blühenden katholischen Hip-Hop Szene, deren Bekenntnis-Shirts allerdings zumeist nur für „Insider“ verständlich sind. In Deutschland gibt es eine solide Auswahl an katholischen Shirts wie auch Baseballmützen auf der Webseite von „Catholicism Wow“ – und das schon seit fast fünfzehn Jahren.

Auf der Seite des christlichen Internetshops „Jesus-T-Shirts“ bekennt man sich zum Missionsauftrag „im Alltag“ und setzt dabei auf „witzige oder nachdenkliche, freche und manchmal auch provozierende Sprüche und Motive, die Gott die Ehre geben“.

Selbstverständlich gibt es bei den meisten Anbietern auch Motive, die einfach „nur“ schön sind wie Marienmotive oder gar goldstrahlende Abbildungen von Ikonen; doch das ursprünglich rebellenhafte und subversive Image haben auch T-Shirts, welche die Frohe Botschaft unters Volk bringen wollen, nie ganz verloren – möglicherweise ist das ganz gut so.