
Der jüdische Krankenbesuch
Kernstück der Kranken-, Kinder- und Altenpflege in Israel und den israelitischen Gemeinden weltweit. Von Birgit Seemann
Frankfurt (DT) Wer die Ursprünge jüdischer Kranken-, Kinder- und Altenpflege erkundet, stößt auf den hebräischen Begriff „Bikkur Cholim“ (zu Deutsch Krankenbesuch): Widmet sich ein Mitglied der jüdischen Gemeinde einem erkrankten Mitmenschen, erfüllt es gleich mehrere Gebote der Tora. Der Krankenbesuch ist eng verbunden mit dem Gebot der Nächstenliebe (Lev. 19,18) und für alle jüdischen Gläubigen eine heilige Pflicht (Mitzwa). Sie „gilt nicht nur für Israeliten (...), der Besuch ist auch bei Nicht-Israeliten auszuführen, um gute gesellschaftliche Beziehungen zu bewahren. Ein Erwachsener hat die Pflicht, auch kranke Kinder zu besuchen, ein Gelehrter soll auch einfache Leute, ein Frommer auch Unfromme besuchen“, schreibt etwa der jüdische Medizinhistoriker Samuel Kottek. Es entsprach den Traditionen der jüdischen Sozialethik, dass die nach der Auflösung des Judengettos im 19. Jahrhundert gegründeten jüdischen Krankenhäuser in Frankfurt am Main ihre Pforten für alle Heilung Suchenden öffneten. weiter...


