Bonn (DT/KNA) Sie nannten ihn „Maschinengewehr Gottes“. Denn zimperlich ist Pater Johannes Leppich nie gewesen. In den fünfziger und sechziger Jahren konnte sich der 1915 als Sohn eines Zuchthauswärters im oberschlesischen Ratibor geborene Jesuit in seinem Bekanntheitsgrad mit den Fußballstars Helmut Rahn oder Fritz Walter messen. Bis zu vierzigtausend Menschen füllten Marktplätze und Stadien, um sich von ihm die Leviten lesen zu lassen. „Ihr religiösen Blindschleichen, ihr Limonadenchristen, ihr Ewigkeitsnieten“, donnerte er vom Dach eines VW-Busses aus in die Mikrophone.
Selbst die Hamburger Reeperbahn wollte er, dessen Sprache und „Freistil-Theologie“ auch innerkirchlich nicht immer Zustimmung fand, mit dem Evangelium „aufrollen“. Er bekannte: „Wenn es um Christus geht, dann bin ich wie ein bellender Hund.“ Vor zehn Jahren, am 7. Dezember 1992, ist Leppich in Münster gestorben. Bis zu fünf-zehn Millionen Menschen hat der wortgewaltige Bußprediger Schätzungen zufolge in 25 Jahren mit Gott konfrontiert und aus Gleichgültigkeit und Lethargie aufschrecken wollen. Seine Predigten, auf Schallplatten gebannt, fanden reißenden Absatz. Viele seiner Anstöße sind Allgemeingut geworden: die Telefonseelsorge, Bibeln in Hotels oder die von ihm gegründete „action 365 international“, mit der er Christen zum öffentlichen Engagement ermuntern wollte.
Leppichs Eintreten für die Armen – ganze Eisenbahnwaggons voller Sachspenden und mehrere hunderttausend Mark sammelte er für sie – resultierte aus eigener Erfahrung: Der Priester, der als Zwanzigjähriger in den Jesuitenorden eingetreten war, wurde nach Kriegsende Seelsorger im Flüchtlingslager Friedland, arbeitete später als Gefängnispfarrer und lernte auf mehreren Reisen das Massenelend in Pakistan, Indien, Thailand und Nordamerika kennen. Seit Anfang der siebziger Jahre trat der Prediger kürzer: Zwei Herzinfarkte und weitere Krankheiten warfen ihn immer wieder aus dem Rennen. „Ich habe einen langsameren Gang eingelegt, aber ich bin noch im Geschirr“, unterstrich er zuletzt. „Intensive Nacharbeit“, so lautet das Stichwort – allerdings ausschließlich in Kirchen und Sälen. Massenveranstaltungen ging der Ordensmann seitdem lieber aus dem Weg. Nachahmer hat Leppich in Deutschland nicht gefunden, und das hat er nicht verstanden: „Warum soll es heute nicht möglich sein, von einem Lautsprecherwagen aus zu predigen?“ fragte er gelegentlich mit einem kritischen Blick auf seine Kirche. „Die Popstars bringen ja auch Millionen auf die Beine.“