07.03.2012 16:09

Pius-Brüder: Achtung - das ist ein Irrweg

Von Guido Horst
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Was ist eine Häresie? Eine Irrlehre ist oft eine Wahrheit, die ein wenig von ihrem rechten Ort zur Seite gerutscht ist. Das könnte man übertragen auf den Vorschlag der Pius-Bruderschaft an alle „traditionsverbundenen Katholiken“, keine Kirchensteuer mehr zu zahlen und das entsprechende Geld anderen Gruppierungen in der Kirche zu stiften (siehe Meldung Seite 4). Der dafür nötige Kirchenaustritt beschränke sich „einzig und allein auf die Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts“ und habe keine Konsequenzen, so möchte der nicht gut informierte Adressat dieses Aufrufs meinen, was die Mitgliedschaft in der katholischen Weltkirche betrifft. Abgesehen davon, dass man sich fragen muss, ob man dort „austreten“ kann, wo man selber nie bewusst „eingetreten“ ist, ist das ein gefährlicher Vorschlag, mit der die Pius-Bruderschaft Gläubige verführt.

Es stimmt: Wer die Institution Kirche in den deutschen Landes durchforstet, wird auf manches, vielleicht sogar vieles treffen, was mit Kirchensteuermitteln finanziert wird, aber nicht im Sinne der Kirche ist oder dieser sogar eher schadet. Das ist die Wahrheit. Aber aus dieser Wahrheit zu folgern, dass man die katholische Kirche in Deutschland in ihrer geschichtlich gewachsenen Gestalt deswegen gleich verlassen kann, ist eben eine verrutschte Wahrheit, eine Wahrheit, die in die Irre führt, weil sie den rechten Ort, ihre Einbindung in das Ganze, verlassen hat. Und zum Thema Kirchensteuer gehört eben auch die Wahrheit, dass sie die historische gewachsene Form ist, mit der die Kirche in Deutschland den geschuldeten Beitrag ihrer Gläubigen einsammelt.

Wer immer über den Vorschlag der Piusbrüder nachdenkt, sollte ganz schwer aufpassen: Die deutschen Bischöfe sind im Gespräch mit dem Vatikan, was die in Deutschland übliche Weise der Kirchenbeitragserhebung angeht. Die Pius-Bruderschaft irrt, wenn sie glaubt, dass Rom hier grundsätzliche Schwierigkeiten sieht. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Wer jetzt vorschnell auf den Austritts-Vorschlag eingeht, könnte sehr bald im Regen stehen.



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