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Erste Enzyklika und PersonalienBeobachter rechnen damit, dass Benedikt XVI. vor Ablauf des Jahres noch wichtige Weichen stellt



DT vom 27.10.2005



Rom (DT) Es ist einige Jahrzehnte her, dass eine auf dem Petersplatz oder in der Peterskirche zelebrierte Messe oder liturgische Feier als vorbildlich, als wegweisend, oder auch einfach nur als insgesamt schön zitiert werden konnte. Eine gewisse Unsorgsamkeit und liturgische und musikalische Experimentierfreudigkeit, die teilweise einem Kahlschlag gleichkamen, verbunden mit einer nicht immer leicht identifizierbaren Gestenfreude waren eher angesagt. Die große Gegenwart Johannes Pauls II. ließ oft auch Fragwürdiges in den Hintergrund treten. Das alles ist seit April vorbei. Und hoffentlich definitiv. In der Feier der Eucharistie am letzten Sonntag machte der Papst das vor, was die Synodenväter als dringliches Thema immer wieder in den Raum gestellt hatten: die richtige, angemessene "ars celebrandi" einer universalen Kommunikation. Sie bedurfte keiner Erläuterungen, keiner künstlichen oder affektierten Ausschmückungen, die den Blick vom Wesentlichen ablenken. Der Papst lebte die Einheit des Betens und des Feierns vor. Der Papst zeigte, wie eine aktive Beteiligung Hand in Hand geht mit der aktiven betenden Besinnung. Der Papst zelebrierte den Anfang der liturgischen "Reform der Reform". Der universale Hirte feierte und betete für die Welt und vor der Welt, und er tat dies in der Sprache der Kirche, so dass alle gleichermaßen daran teilhaben konnten. Die Musik der lateinischen Kirche in ihren verschiedenen Ausprägungen war nicht Beiwerk, sondern formendes Element. Das Evangelium wurde in den Sprachen des Westens und des Ostens der Kirche, dem Lateinischen und dem Griechischen gesungen. Der Papst predigte auf italienisch, spanisch, polnisch und ukrainisch. Zum Ende der Bischofssynode wurde bekannt, dass zum Gedenktag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils vor vierzig Jahren am 8. Dezember Benedikt XVI. seine erste Enzyklika vorlegen werde. Die Schrift entstand während des langen Aufenthalts in Castelgandolfo in diesem Sommer. Sie soll ungefähr fünfzig Seiten umfassen. Bereits Georg Ratzinger, der Bruder des Papstes, hatte seinerzeit mitgeteilt, dass der Papst an einem Christusbuch arbeite. Ob dieses Buch etwas mit der Enzyklika zu tun haben wird, bleibt abzuwarten. Der Papst hat die Enzyklika auf deutsch verfasst. Die italienische Zeitung "Il Giornale" vom 25. Oktober 2005 weiß zu berichten, dass die Enzyklika mit einem Zitat aus dem ersten Johannesbrief beginnt: "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm" (1 Joh 4,16b). Der offizielle Titel, der aus den Anfangsworten einer Enzyklika besteht, solle demnach "Deus est amor" sein. Noch vor Jahresende wird es zu Umbauarbeiten in der römischen Kurie kommen, die bereits mit einigen Neuernennungen in der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen begonnen haben. Diese Kongregation war unter Johannes Paul II. zu einem der wichtigsten Bezugspunkte im Vatikan geworden. Es ist kein Geheimnis, dass Kardinal Ratzinger kein großer Freund der großen Anzahl von Selig- und Heiligsprechungen der letzten Jahre war. Am 24. Oktober ernannte der Papst Erzbischof William J. Levada, Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Angelo Comastri, Generalvikar des Papstes für die Angelegenheiten des Vatikanstaates sowie den ehemaligen Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Pier Giacomo De Nicolò, zu Mitgliedern der Selig- und Heiligsprechungskongregation. Weitere personale Neuerungen in der Kongregation stehen an. Benedikt XVI. ist kein Freund von aufgeblasenen Ämtern. Gremien- und Sitzungskatholizismus sind ihm fremd, wenn nicht gar ein Dorn im Auge. So dürfte auch die Umstrukturierung des Staatssekretariats eine Entbürokratisierung sowie eine Gewichtsverlagerung zwischen Kongregationen zur Folge haben. Als möglicher Nachfolger von Kardinal Angelo Sodano gilt Erzbischof Giovanni Lajolo, Sekretär des Heiligen Stuhls für die Beziehungen mit den Staaten, vormals Nuntius in Deutschland. Laiolo gilt als "Mann des Papstes". Es gilt abzuwarten, ob dies auch der Papst so sieht. Eine andere Lösung innerhalb des Staatssekretariats oder eine Versetzung eines Kardinalpräfekten einer anderen Kongregation ist nicht in Sicht. Wohl eher die des "großen Unbekannten" von auswärts.Autor: VON ARMIN SCHWIBACH


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