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20 Jahre Mauerfall

Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer, die für 28 Jahre das Symbol für die deutsch-deutsche Teilung war. Die historischen Bilder vom Brandenburger Tor gehen um die Welt und bewegen Millionen. Nun nähert sich der Fall der Mauer zum  zwangigsten Mal. Daher widmet die Tagespost dem historischen Ereignis ein eigenes Forum und geht der Frage nach, wie Katholiken in Ost und West die Wende erlebt haben. Lesen Sie hier alle Beiträge vom DT-Forum "20 Jahre Mauerfall" vom 1. Oktober 2009.



Warum Helmut Kohl Kanzler der Einheit wurde Drucken E-Mail
Schlüssel liegt in der Biografie ? Historische Parallel-Erfahrungen mit Johannes Paul II.
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Helmut Kohl genoss das Vertrauen von Michael Gorbatschow (Bild). Foto: dpa

Am Anfang war der Papst: Johannes Paul II. brachte die Dinge in Polen in Gang, lange vor dem Mauerfall in Berlin. Helmut Kohl, der Kanzler der deutschen Einheit und europäischen Einigung, dessen Ära komplett in dieses Pontifikat fiel, korrespondierte historisch überragend mit dem Pionier der östlichen Freiheitsbewegung.

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Wendezeit für ein Kloster in der DDR Drucken E-Mail
Die Benediktinerinnen von Alexanderdorf begleiten die Menschen in kritischer Umbruchphase nach 1989
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Zeichen der Wende in der brandenburgischen Diaspora: Als Geschenk zum Tag der Wiedervereinigung schenkten westdeutsche Benediktinerinnen den Schwestern in der Abtei St. Gertrud in Alexanderdorf einen ?Baum der Einheit?. Das Bild zeigt die Schwestern beim Pflanzen des Baumes im Park des Klosters. Fotos: Abtei Alexanderdorf

Niemand sprach ein Wort, als die Mauer fiel. In der Benediktinerinnenabtei St. Gertrud in Alexanderdorf in der damaligen DDR herrschte am 9. November 1989 nach dem abendlichen Chorgebet Silentium. Die Regel des heiligen Benedikt, nach der die Schwestern leben, sieht nach der Komplet striktes Stillschweigen vor. Noch ahnte keine der Brandenburger Benediktinerinnen, dass fünfzig Kilometer entfernt in der Hauptstadt gerade der Eiserne Vorhang endgültig zerriss. Die Schwestern sehen nicht fern. So erfuhr der Konvent erst am nächsten Morgen, dass die deutsch-deutsche Grenze offen war und Menschen aus allen Gegenden des Landes nach Berlin strömten. Die Freude unter den Gästen des Klosters war dermaßen groß, dass ein Priesterkurs, der sich zu Exerzitien in St. Gertrud einquartiert hatte, am Ende der heiligen Messe spontan das Te Deum anstimmte. ?Es war unvorstellbar, auch wenn sich schon in den achtziger Jahren Veränderungen angebahnt hatten?, erinnert sich Schwester Gerburg (82) heute. ?Wir waren elektrisiert wie alle Leute?.

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Freiheit, welch ein köstliches Wort Drucken E-Mail
Tagebuch einer jungen Malteser-Helferin aus dem Sommer 1989 in den Budapester Zeltlagern für die ausreisewilligen DDR-Bürger
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Das Zeltlager des Malteser-Hilfsdienstes für die DDR-Ausreisewilligen im Garten der Pfarrei Zugliget in Budapest. Das Bild entstand am 9. September 1989. Foto: MDR

Im Sommer 1989 warteten zwischen 25 000 und 30 000 DDR-Bürger in Ungarn, um über Österreich in die Bundesrepublik flüchten zu können. Auf Initiative der Malteserin Csilla von Boeselager (siehe den nebenstehenden Kasten ?Beim Namen genannt?) bauten deutsche, ungarische und österreichische Malteser in Budapest Zeltlager, um die Masse dieser Menschen unterbringen zu können, bis sie dann die Regierung Ungarns ausreisen ließ. Marie Czernin (Foto: Privat), Jahrgang 1971, war vom 1. bis 14. September 1989 in Budapest als aktives Mitglied des Malteser Hospitaldienst Austria (MHDA) in drei verschiedenen Flüchtlingslagern im Einsatz. Die Aufzeichnungen der heutigen Wiener freien Journalistin aus diesen Tagen, die auch Mitarbeiterin der ?Die Tagespost? ist, sind im Folgenden zu lesen.

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?Das Volk kommt nicht als Bittsteller? Drucken E-Mail
Bischof Joachim Reinelt erzählt von den ersten Oktobertagen 1989 in Dresden ? Die Polizei knüppelt, Bürger bleiben gewaltlos
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DDR-Bürger wollen Anfang Oktober 1989 in Dresden Züge stoppen, die Richtung Bundesrepublik rollen. Die Polizei verhindert das mit Gewalt. Foto: Stadtarchiv Dresden

Die Geheime Staatssicherheit (Stasi) und der sowjetische Geheimdienst hören die Telefone des Bischofs von Dresden-Meißen ab. Einheiten der Volkspolizei, der Stasi, der Armee und der Kampfgruppen sind in der Stadt. Sie haben scharfe Munition geladen, knüppeln auf Demonstranten ein, setzen Wasserwerfer und Tränengas ein, verhaften willkürlich Bürger, die den Gefängnissen der Stasi ?zugeführt? werden, wie der Fachjargon lautet. Die Dresdener und Mitbürger aus der gesamten DDR, die für Demokratie im Land oder für Ausreisemöglichkeiten auf die Prager Straße oder zum Dresdner Hauptbahnhof strömen, sind nervös. Diese Atmosphäre in den ersten Oktobertagen 1989 fordert Joachim Reinelt, den Dresdner Bischof, heraus. Er muss die Bürger beruhigen und sie gleichzeitig unterstützen.

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Was bedeutete der Glaube für einen katholischen Bürgerrechtler in der DDR? Drucken E-Mail
Der erste Oberbürgermeister Dresdens nach der Wende beschreibt, wie wichtig die Ideologieresistenz für die Ereignisse 1989 war
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Etwa 15 000 Menschen kamen in Dresden vor der Kathedrale, der ehemaligen Hofkirche, zu der ?Satio? zusammen, um die Kreuze für je eine DDR-Diözese aufzurichten. An dieser Feier nahmen teil (von links): Der Mainzer Bischof Karl Lehmann, der damalige Bischof Gerhard Schaffran von Dresden-Meißen, Kardinal Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., und der damalige Berliner Bischof Joachim Meisner. Fotos: KNA

Der christliche Glaube war für die Katholiken in der DDR eine Kraftquelle, um dem Druck des kommunistischen SED-Regimes zu widerstehen und Nachteile zu ertragen. Er gab eine Hoffnung auf Besserung der Verhältnisse, ohne zu wissen, ob man sie selbst erleben würde. Klar war aber, dass individuelles Verhalten und der Zusammenschluss zu Gemeinschaften nicht ohne Einfluss auf die Zukunft bleiben würden und dass selbst das Scheitern einer Zukunftsutopie im unergründlichen Ratschluss Gottes nicht sinnlos sein würde.

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