Von der Überarbeitung der bischöflichen Leitlinien für den Umgang mit sexuellen Missbrauch geht ein durchaus ambivalentes Signal aus: Wenn die Kürze der Zeit nicht mehr Präzision zuließ, wäre es nicht vertretbar gewesen, noch zu warten, um dem notorischen Vorwurf mangelnder Transparenz gegen die Institution Kirche vorzubeugen? Betroffenen und Opferschutzverbänden werden grelle Grauzonen im Text nicht entgehen: In einem Rechtsstaat, der keine strafbewehrte Anzeigenpflicht für sexuellen Missbrauch vorsieht, ist es keine Bagatellfrage, wo die Bischöfe Grenzen für die Ausnahme von der Meldepflicht ziehen. Zumal die neuen Leitlinien auch auf Handlungen unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit angewandt werden sollen, ohne dass auf diese „Grenzüberschreitungen“ objektiv eingegangen wird. Das ist zwar kein kirchliches Problem, doch haben die vergangenen Monate gezeigt, dass katholische Einrichtungen unter hohem moralischen Druck stehen, den Umgang mit Missbrauchsfällen bei Minderjährigen in ihren Reihen darzulegen. Zweifel weckt auch das Vorgehen bei nicht aufgeklärten Fällen: Wer Glaubhaftigkeitsgutachten zur Aussage des mutmaßlichen Opfers, nicht aber des mutmaßlichen Täters einholt, nimmt antikirchliche Ressentiments in Kauf.
Oder ein Angriff des Papstes auf die vorherrschende Kultur der westlichen Welt? Zu einem Buch der Vatikanjournalisten Andrea Tornielli und Paolo Rodari über Pleiten, Pech und Pannen im deutschen Pontifikat Von Guido Horst
Rom (DT) Es ist ein Thema der „Insider“ – aber nicht nur: Medienleute im und rund um den Vatikan fragen sich, warum sich Papst Benedikt in der säkularen Öffentlichkeit der westlichen Welt mit seiner eigentlichen Botschaft kein Gehör verschaffen kann, sondern seit nunmehr vier Jahren eher für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Zwei der rührigsten Vatikanberichterstatter italienischer Zeitungen, Andrea Tornielli (Il Giornale) und Paolo Rodari (Il Foglio), haben dazu jetzt ein Buch vorgelegt, dem der herausgebende Verlag Piemme den Titel „Attacco a Ratzinger“ – „Angriff auf Ratzinger“ – gegeben hat.
Sind die Fluten in Pakistan oder das Loveparade-Unglück Strafen Gottes? Nach der Aktualität dieses biblischen Bildes fragte „Die Tagespost“ den Historiker François Walter, der gerade das Buch „Katastrophen“ geschrieben hat Von Johannes Seibel
Ein Kruzifix hat das Erdbeben Anfang Januar in Haiti vor einer zerstörten Kirche unbeschadet überstanden. Lässt sich das religiös deuten? Foto: dpa
Innerhalb der katholischen Kirche ist die Verwendung des biblischen Topos von der „Strafe Gottes“ mit Blick auf solche Katastrophen wie dem Wirbelsturm Katrina in New Orleans 2005 oder aktuell der Loveparade in Duisburg mit über 20 Toten höchst umstritten. Warum löst dieser Topos heute Entrüstung aus?
„Im Kern geht es um das linksliberale Selbstwertgefühl“
Intern
Der Mainzer Medienforscher Hans Mathias Kepplinger über die Medien und den Fall Sarrazin Von Oliver Maksan
Professor Hans Mathias Kepplinger. Foto: dpa
Herr Professor Kepplinger, zeigt die Debatte um Thilo Sarrazin in den Medien einerseits und der Verkaufserfolg seines Buches andererseits, wie öffentliche und veröffentlichte Meinung auseinanderklaffen?
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70 Jahre Taize
Vor 70 Jahren, im August 1940, hat sich sein Gründer bestimmt nicht
träumen lassen, dass jedes Jahr zehntausende Jugendliche diesen kleinen
französischen Ort aufsuchen. Taize. Mit der Gründung hat Frere Roger
den Grundstein für die ökumenische Gemeinschaft gelegt, die sich für
eine Aussöhnung zwischen den Konfessionen, europäische Verständigung
und einen einfachen Lebenswandel einsetzt. Vor fünf Jahren, am 16.
August 2005, wurde Frere Roger von einer psychisch kranken Frau durch
Messerstiche getötet. Unmittelbar nach seinem Tod übernahm Frere Alois
die Leitung der Gemeinschaft - und bis heute ist der Ansturm der
jugendlichen Besucher ungebrochen. Im Interview mit der Katholischen
Nachrichten-Agentur (KNA) versucht Frere Alois das "Phänomen Taize" zu
erklären.