
Kommentar: Die Lebenslüge der Wahlfreiheit
Von Stephan Baier
Die Verlogenheit unserer Familienpolitik ist nicht minder empörend als die der demographischen Debatte. Seit Jahrzehnten rezitiert die Politik ohne Unterlass das Mantra der Wahlfreiheit: Die Lebensentwürfe von Frauen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, so heißt es auch jetzt wieder, um die Kritik von Kardinal Meisner abzuschmettern, ohne sich auf eine echte Debatte einzulassen. Tatsächlich ist die Wahlfreiheit der Frau allenfalls für die Gattinnen der Besserverdiener Wirklichkeit. Millionen Frauen in Europa haben gar nicht die Wahl, eine Familienphase einzulegen und sich mehrere Jahre um mehrere eigene Kinder zu kümmern. Millionen Frauen sind zwar nicht gesetzlich, aber ökonomisch dazu gezwungen, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Die viel zitierte Wahlfreiheit ist eine Utopie, solange Kinderreichtum in Europa das Armutsrisiko Nummer eins ist und unsere aus dem 19. Jahrhundert tradierten Lebensarbeitszeitmodelle den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen nach einer längeren Kinder- und Familienphase unmöglich machen. weiter...






